Futures

Was das Wort Futures bedeutet und wofür Futures gebraucht werden.

Futures werden von Industrieunternehmen oder Bauern gebraucht um zukünftige Preise schon heute zu fixieren. Versetzten wir uns in die Lage eines Herstellers von Frühstückscerialien, der einen langfristigen Vertrag mit festen Preisen mit einer Supermarktkette hat. Der Hersteller ist daran interessiert seine Preise möglichst langfristig festzulegen und schon im Vorhinein zu wissen, welche Kosten in der Zukunft auf ihn zukommen. Der Hersteller kann schon heute einen Mais Futures Kontrakt zu einem Preis von 353 BP für 5.000 Bushels kaufen, der aber erst im August 2017 (oder März 2018, August 2018...) geliefert wird. Da der Vertrag schon heute mit einem Liefertermin in der Zukunft geschlossen wird weiss der Hersteller den Preis, den er im August 2017 zahlen wird heute schon. Das erlaubt dem Hersteller Preisstabilität für seine Kunden und Planungssicherheit.

Das gleiche trifft für die Bauern zu, denn auch die Bauern haben ein Interesse daran, den Preis ihrer Agrarprodukte so früh wie möglich zu wissen und festzulegen. Versetzten wir uns in einen Bauern, der planen muss, welche Getreide er im nächsten Jahr anbauen wird. Wenn der Bauer nicht die Preise kennt, die seine Anbauprodukte erzielen werden geht er ein Risiko ein. Falls der Bauer diese Möglichkeit der Futures nicht hätte könnte er den Preis seines Mais erst nach dem Anbau, dann wenn er diesem am Markt anbietet, feststellen. Ein niedriger Preis könnte einen Verlust oder sogar Konkurs für den Bauern darstellen. Durch den Futures Markt kann der Bauer allerdings seinen Mais (an den Hersteller aus dem Beispiel oben) schon verkaufen bevor dieser überhaupt erst eingesät ist. Das bringt eine enorme Planungssicherheit für den Bauern. Dasselbe trifft auch für andere Agrarerzeuger zu, wie zum Beispiel Viehzüchter, Minenbetreiber und weitere. Durch den Verkauf Ihrer Erzeugnisse in die Zukunft erhalten die Agrarproduzenten Sicherheit und garantierte Gewinne, die eine Produktion erst ermöglichen.

Ohne Spekulanten wäre diese Planungssicherheit allerdings nicht möglich. Die Spekulanten spielen eine wichtige Rolle indem ein Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage hergestellt wird. Versetzten wir uns noch einmal in unser Beispiel des Maisbauern und Frühstückcerialienherstellers von oben. Der Bauer möchte seinen Mais natürlich verkaufen wenn er diesen erntet, zum Beispiel Mitte September. Der Frühstückscerialienhersteller möchte aber jeden Monat kontinuierlich Mais erhalten um seine Produktion am Laufen zu halten und den Supermarkt monatlich beliefern zu können. Der Spekulant schafft den Ausgleich zwischen Bauern und Hersteller, der sonst nicht möglich wäre. Auch werden dem Bauern bessere Preise gesichert. Würden alle Bauern den Mais zur Erntezeit Mitte September verkaufen, dann würde es zu einem Überangebot an Mais und einem Preisverfall zu diesem Zeitpunkt kommen. Durch den Ausgleich wird sichergestellt, dass die Preise zur Erntezeit nicht zu sehr fallen.

Die entsprechenden Positionsmengen, die von den einzelnen Parteien wie Bauern, Industrie und Spekulanten gehalten werden können im COT (Commitment of Traders) Report öffentlich eingesehen werden. Dadurch und durch öffentliche Aufsicht wird eine Fehlentwicklung wirksam verhindert.

Nachdem wir uns die Logik eines Future Kontraktes angeschaut haben erläutern wir noch die Basis des Futures Kontraktes, der ein standardisierter Zukunftsvertrag ist, der einfach zwischen Parteien in standardisierter Form gehandelt werden kann. Die Handelsparteien einigen sich dabei auf einen heute festgelegten Preis mit einer Warenlieferung und finalen Zahlung in der Zukunft. Weil der Futures Kontrakt aus einem zugehörigen Produkt abgeleitet ist wird er zu den Derivaten ("Abgeleiteten") gezählt.

Wissenschaftliche Vermögensverwaltung für Jeden

Bessere Wege zur Vermögensverwaltung lernen

Dabei sind börsengehandelte Futures sehr stark Reguliert und Liquide (handelbar). Futures beinhalten dank eines Systems von Rückversicherungen ein geringeres Counterpartrisk als andere Derivate. Sogar während der grossen Depression von 1929 bis 1931 oder den jüngsten Krisen kam es zu keinen Problemen bei Auslieferung und Zahlung von Futures Kontrakten.

Alle Futures Kontrakte haben ein Verfallsdatum an dem der hinterlegte Wert geliefert werden oder der Vertrag geschlossen werden muss. Am Liefertag wird der Futures nicht mehr gehandelt und über ein finales Settlement wird der Preis festgelegt, zu dem die hinterlegte Ware geliefert werden muss. Um eine Position weiterhin zu halten muss ein sogenannter Roll-Over auf den nächsten Kontrakt vorgenommen werden, z.B. vom Juni auf den September Kontakt.

Futures-trading-chart

Contango und Backwardation (Source: Wikimedia)

Contango und Backwardation sind wichtige Begriffe beim Futures-Handel (siehe die Abbildung aus Wikipedia oben). Bei Backwardation wir der Preis des Gutes in der Zukunft (zukünftiger Preis) unter dem heutigen Preis (dem Spot Preis) gehandelt (siehe blaue Linie). Contango bedeutet, dass der zukünftige Preis bei Auslieferung über dem jetzigen Preis liegt. Jedes Future und jede Future Kategorie hat ein für sie typisches Contango und Backwardation verhalten, die zukünftigen Kontrakte werden als bei einem Future fast immer einheitlich entweder immer unter oder immer über dem Spot Preis gehandelt. Falls ein Future, das normalerweise immer über dem Spotpreis im Contango gehandelt wird unter den Spot Preis fällt ("Inverted Market"), so besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass dieses Future wieder über den Spotpreis gehandelt wird. Dieses Phänomen lässt sich mit einem Spot-Future Spread kapitalisieren.

Dieses und viele weitere Phänomene des Futures Markt können zum Handeln genutzt werden. Wenn Beispielsweise der heutige Gold Spotpreis 130 000 CHF für 100 Oz. beträgt (März 2017) und der Gold August 2017 Futures Kontrakt mit 135 000 CHF gehandelt wird, dann ist es möglich heute Gold für 130 000 zu kaufen und Gold mit einem Liefertermin zum August 2017 bereits heute zu verkaufen. Die heute gekauften 100 Oz. Gold packt man in seinen Safe und wartet dann bis zum Liefertermin im August 2017 und gibt die 100 Oz. Gold im August mit einem Profit von 5 000 CHF weiter. Es handelt sich um ein Zeit-Arbitrage Geschäft. Da Kauf und Verkauf zum selben Zeitpunkt stattfinden besteht praktisch kein Risiko bei diesem Geschäft und die Rendite liegt deutlich über der derzeitigen Rendite von kurzfristigen Obligationen bzw. Anleihen. Da der Spotpreis am letzten Handelstag dem Futurepreis gleicht ist ein physikalischer Besitz bzw. physikalisches Geschäft für diese Transaktion noch nicht einmal nötig. Der gesamte Spread zwischen Future und Spot (hier die 5 000 CHF) kann somit vereinnahmt werden. Die Grafik oben veranschaulicht das Zusammenlaufen von Spot und Future zum Laufzeitende.

Der Begriff Future wird Synonym mit dem Begriff Commodity genutzt. Weitere Informationen können Sie unter dem Schlagwort Commodity finden (link to Glossary term Commodities).

Die meisten Futures Kontrakte werden in Chicago an der CME gehandelt. Durch Akquisitionen wie Globex und weitere Börsen ist CME zur umsatzstärksten Futures Börse geworden. In Europa ist die Eurex die umsatzstärkste Futures Börse.

Die NFA (National Futures Associan LINK ) ist die Selbstregulierungsorganisation für die US Futures Industrie, de facto setzt die NFA die weltweiten Standards für FMOs und die gesamte Futures Industrie. Das NFA System basiert dabei auf Selbstorganisation und ist dem Selbstorganisationsprinzip der Schweiz mit SRO und FINMA sehr ähnlich.

Die US CFTC (Commodity Futures Trading Commission) übernimmt andere Aufgaben und veröffentlich zum Beispiel einen Commitment of traders report(or COT) auf einer wöchentlichen Basis. Diesem Report können wichtige Informationen entnommen werden, zum Beispiel welche Gruppen wieviele offene Kontrakte halten und wieviele Kontrakte insgesamt für wen noch offen stehen.

Dr. Mirko C. Ulbrich hat über viele Jahre als Commodity Trading Advisor gearbeitet und hat ein tiefes Wissen über Futures und den Handel mit Commodities.