Was bedeutet es, wenn ein ETF replizierend ist?

Ein ETF ist ein börsengehandelter Indexfonds (englisch: Exchange Traded Fund), der die Entwicklung des Wertes eines Indexes, wie zum Beispiel des DAX, abbildet. Im Prinzip vereinen ETFs die Vorteile von Aktien und Fonds in einem einzigen Produkt.

Mit ETFs können Sie mit einem Wertpapier kostengünstig in komplette Märkte investieren. Dabei legen Sie Ihr Geld nicht nur in Aktien, sondern auch in viele andere Anlageklassen an. Gerade diese Vielfalt und Vielseitigkeit macht aus den ETFs perfekte Bausteine für die private Geldanlage.

Der Marktindex wird von den ETFs eins zu eins nachgebildet und diese können, ganz genau wie eine Aktie, jederzeit an der Börse gehandelt werden.

Replikationsmethoden – so bilden ETFs die Entwicklung des Wertes eines Indexes nach

ETFs bilden normalerweise lediglich die Wertentwicklung eines Börsenindex ab. Diesen Vorgang nennt man in der Fachsprache Replikation. Nun gibt es zwei Verfahren, wie ein ETF replizierend sein kann: die physische und die synthetische Replikation.

So funktioniert die physische Replikation

Die physische Replikation, wird auch oft „volle“ Replikation genannt. Damit ist gemeint, dass der ETF tatsächlich alle Wertpapiere besitzt, die auch in dem Index selbst enthalten sind, den der betreffende Fonds nachbildet.

Im Klartext heisst das, dass ein physischer oder auch voll replizierender ETF, der die Wertentwicklung des DAX abbildet, zu jedem Zeitpunkt tatsächlich die 30 DAX Aktien umfasst. Dabei hat jede dieser Aktien den gleichen Anteil im Fond, wie diese im Index gewichtet ist. Alles eins zu eins.

Alle gängigen Aktienindexe verändern sich mit der Zeit natürlich. Einige Aktien kommen dazu, andere werden rausgenommen, oder ihre Gewichtung verändert sich. In allen diesen Fällen vollzieht der physisch replizierende ETF die Bewegungen exakt nach – und zwar durch den Kauf und Verkauf von Aktien. Der deutsche Leitindex wird übrigens ungefähr viermal pro Jahr überprüft.

Nachteile der physisch replizierenden ETFs

Wenn man diese Form der Replikation wählt, entstehen grössere Kosten. Denn gerade bei Aktienindexen, die viele Aktien enthalten- Der europäische Index (DJ Stoxx 600) besteht aus 600 Aktien, der MSCI gar 1.800 verschiedene Wertpapiere. Wenn man also solche Indexe eins zu eins voll replizieren möchte müssen häufig Aktien gekauft und verkauft werden - und dabei kommt es zwangsläufig zu Gebühren und andere Kosten.

Ebenso können Nachteile durch Besteuerung der Dividenden auftreten, oder Dividendenauszahlungen an den Fond verzögert werden. Diese betreffen den Index zwar nicht, beeinflussen aber unter Umständen die Wertentwicklung des Fonds auf negative Art und Weise.

So funktioniert die synthetische Replikation

Die oben beschriebenen Nachteil soll das Verfahren der sogenannten synthetischen Replikation reduzieren. In diesem Zusammenhang spricht man auch von einer künstlichen Replikation. Die Idee ist hierbei, dass man den betreffenden Aktienindex nachbildet, ohne die entsprechenden Wertpapiere, die in dem Index enthalten sind, wirklich zu besitzen.

Das bedeutet, dass ein ETF, der beispielsweise den Deutschen Aktienindex nachbildet, keine einzige dieser Aktien besitzen muss, sondern z.B. vollständig aus japanischen Wertpapieren besteht.

Wie geht das aber, dass ein ETF replizierend ist, ohne eine einzige Aktie des betreffenden Aktienindex zu besitzen? Wie kann er die Entwicklung nachvollziehen?

Replikation mit dem Swap

Um also einen Index nachzubilden, ohne die Aktien physisch zu besitzen, wird ein sogenannter Swap benutzt. Es handelt sich dabei um eine Vereinbarung mit einer Bank (in der Regel die Muttergesellschaft des Fondanbieters), durch die dem Fond garantiert wird, dass er zu jeder Zeit die Wertentwicklung des Indexes erhält. Allerdings wird diese Wertentwicklung durch das Aktienpaket des Fonds abgedeckt, die der Fond tatsächlich besitzt, in dem oben genannten Fall also japanische Aktien.

„Swap“ bedeutet auf Englisch „Tausch“ – und im Prinzip ist es ja auch genau das.

Diese Form der Replikation soll die Kosten niedriger halten, als dies bei physischer Replikation der Fall wäre.

Nachteile der synthetischen Replikation

Die Methode hat allerdings auch Nachteile. Das Verfahren ist kompliziert und wird von den wenigsten Menschen so richtig verstanden, weswegen es verständlicherweise ein gewisses Misstrauen hervorruft.

DAusserdem kann natürlich auch der Swap-Vertragspartner zahlungsunfähig werden. In diesem Fall verliert dann der Fond sein Vermögen, wobei dies jedoch durch rechtliche Vorgaben auf höchstens zehn Prozent des Fondsvermögens beschränkt ist. Fondsgesellschaften versuchen ausserdem das Risiko zusätzlich zu begrenzen, indem Sicherheiten für die Swap-Vereinbarungen hinterlegt werden. Für den Anleger bedeutet dies in der Praxis, dass die Wahrscheinlichkeit, durch die Verwendung von Swaps tatsächliche Nachteile zu erleiden, sehr gering ist und in der Regel vernachlässigt werden kann.

Anbieter mit und ohne Swaps

Wem das alles nicht geheuer ist und wer deshalb auf den Einsatz von Swaps verzichten will, der hat die Möglichkeit einen Indexfonds auszusuchen, der auf eine synthetische Replikation verzichtet.

Wichtige Anbieter physisch replizierender ETFs in Deutschland sind iShares und Deka ETFs. Synthetisch replizierende ETFs kommen vor allem von Comstage, DB X-Trackers und Lyxor.

Der Trend geht zu physisch replizierenden ETFs

Synthetisch replizierte ETFs erlauben es in bestimmten Fällen tatsächlich den Index besser und genauer nachbilden zu können. Zudem bieten synthetisch replizierte ETFs obendrein auch noch steuerlich Vorteile, da bei dieser Indexfonds-Konstruktion die Dividende als Kursgewinn betrachtet wird und nicht als Dividende wie beim physisch replizierenden ETF. Im Klartext bedeutet dies, dass synthetische ETFs nicht jährlich steuerlich belastet werden, sondern erst, wenn der Fond verkauft wird. Allerdings ist Vorsicht geboten, da in Deutschland das Investmentsteuergesetz ab 2018 angepasst werden soll. Dann fällt dieser Vorteil weg.

Eine physische Replikation kann insbesondere bei Märkten mit Handelsrestriktionen, Eigentumsbeschränkungen und verschiedenen Zeitzonen Schwierigkeiten mit sich bringen.

Trotz der obengenannten Argumente, schiene bei vielen Anlegern hierzulande allerdings das physische Replikationsmodell beliebter zu sein.

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