Leveraged ETF oder gehebelte Exchange Traded Funds

Wer träumt nicht davon, seine Aktienrendite zu verdoppeln? Gerade weil die Aktienmärkte langfristig immer steigen, scheint dies ein gutes Geschäft zu sein. Ein Geschäft, dass mithilfe von sogenannten Leveraged ETF in greifbare Nähe zu rücken scheint. Allerdings scheint dies zu gut um wahr zu sein, weswegen wir für Sie einen tieferen Blick in das Thema geworfen haben.

Was sind Leveraged ETFs überhaupt?

Das englische Verb „to leverage“ bedeutet hebeln. Deshalb spricht man bei einem Leveraged ETF oft auch von einem gehebelten ETF. So kann die Rendite eines hebel ETF z.B. um den Faktor 2 gehebelt werden. Wenn also der zugrundeliegende Index um 10 Prozent steigt, steigt der Leveraged ETF um 20%. Allerdings gilt dies natürlich auch umgekehrt. D.h. wenn der zugrundeliegende Index um 10% fällt, fällt der um Faktor 2 gehebelte ETF um 20%. Die gehebelten ETF werden mit dem Faktor angegeben, so gibt es z.B. Gold ETF x2, Direxion 3x, ETF x3, ETF Dax Short 4x, ETF DAX 2x long, usw.

Leveraged ETFs bilden die Wertentwicklung eines Index normalerweise täglich ab – und hier wird das Ganze erst richtig interessant. In der Finanz-Fachsprache sagt man: Die Position wird täglich glattgestellt.

Die Auswirkungen dieser Vorgehensweise sind erheblich. In dem gewählten Beispiel mit 10%, wenn man von einem Ausgangswert von 100 ausgeht, sieht das Ganze je nach Szenario so aus:

Tag 1

Szenario A: 120 (+10 Prozent an Tag 1)

oder

Szenario B: 80 (-10 Prozent an Tag 1)

Tag 2

Szenario A: Der Index fällt wieder auf 100, was -9,09% entspricht.

Szenario B: Der Index steigt wieder auf 100, was +11,11% entspricht.

Intuitiv könnte man meinen, dass auch der Leveraged ETF in beiden Fällen wieder bei 100 steht. Dem ist jedoch nicht so. Schauen wir uns also einmal die Mathematik dahinter an:

Der Leveraged ETF steht nach Tag 2 bei

Szenario A bei 98,18 (-18,18 Prozent an Tag 2)

Szenario B bei 97,78 (+22,22 Prozent an Tag 2)

Unter dem Strich verliert das ETF unter dem Strich an Wert. Dies liegt daran, dass der Leveraged ETF gewissermassen eine Art negativen Zinseszinseffekt hervorruft.

Entwickelt sich der zugrundeliegende Index mehrere Tage nacheinander positiv, ist der Effekt auch zu konstatieren, allerdings in diesem Fall mit positiven Wirkungen.

Szenario C: Ausgangswert ebenfalls 100 und Hebel Faktor 2. Zwei Tage in Folge mit Wertsteigerung um 10%

Stand Index nach 2 Tagen: 121

Stand Leveraged ETF nach 2 Tagen: 144

Der Leveraged ETF hat sich also somit um den Faktor 2,095 besser entwickelt als der zugrundeliegende Index. Deshalb ist ein Leveraged ETF natürlich eine sehr ansprechende Sache, wenn die Kursentwicklung Lineal nach oben geht. Nun ist die jedoch an der Börse höchst selten. Über einen längeren Zeitraum hinweg mag der Wert zwar steigen, aber es gibt täglich Fluktuationen und eine durchgängig positive Wertentwicklung existiert in der Praxis nicht. Da, wie oben bereits erklärt, die Position täglich glattgestellt wird, ist es sehr viel wahrscheinlicher, dass man unter dem „negativen Zinseszinseffekt“ leiden wird.

Als Faustregel kann gelten: Je größer die Volatilität, desto größer ist der „negative Zinseszinseffekt“.

Im Fachjargon spricht man von einer sogenannten Pfadabhängigkeit. Die Wertentwicklung des Leveraged ETF hängt somit davon ab, welchen Pfad der Index einschlägt.

Mit den Short ETFs kann man auf fallende Kurse wetten, aber auch diese unterliegen der Pfadabhängigkeit.

Deshalb sind Leveraged ETF Risiko behaftet und man sollte vorsichtig damit umgehen, bzw. eine klare Vorstellung davon haben, für wen die Leveraged ETF konzipiert wurden.

Für wen sind also Leveraged ETFs tatsächlich geeignet?

Leveraged ETF und Short ETFs wurden ganz bestimmt nicht für Privatanleger konzipiert. Denn diese verfolgen in aller Regel eine langfristige Buy-and-Hold-Strategie. Dass dennoch einige Banken nicht davor zurückschrecken, die risikoreichen Leveraged ETF, die am besten für sehr kurzfristige Anlagen geeignet sind, an nichtsahnende Privatanleger zu verkaufen, ist als verantwortungslos zu bezeichnen.

Denn die eindeutigen Zielgruppen für gehebelte ETFs sind Day Trader und institutionelle Investoren. Beide können die Leveraged ETFs geschickt ausnutzen, um durch kurzfristigen Markterwartungen Gewinn zu machen und/oder ihre Portfolios abzusichern (Short ETFs).

Für diese Art Anleger besteht der eindeutige Vorteil darin, dass sie kein Fremdkapital aufnehmen müssen, um eine Hebelwirkung zu erzielen, denn um dies kümmert sich die entsprechende Fondsgesellschaft. Auf so komplizierte Finanzinstrumente, wie etwa Futures, Optionen und Zertifikate, können die Anleger auf diese Weise verzichten. Mehr zum Thema Leerverkauf, Blankoverkauf oder Short Selling können Sie unter diesem Link finden:
https://samt.ag/Blankoverkauf

Zudem darf auch nicht verschwiegen werden, dass die Verwaltungskosten wesentlich höher sind, als beispielsweise bei direkten Futures. Diese gehebelten Exchange Traded Funds ETFs sind nicht für einen ETF Sparplan oder als Ersatz für einen Investment Fund geeignet. Die “Expense Ratios” oder Kosten sind einfach zu hoch um diese Fonds für ein “Long Term Investment” verwenden zu können. Short Term sind diese ETFs allerdings für “buying and selling Aktivitäten” geeignet. Mit Futures oder Optionen können die gleichen Strategien wie mit leveraged ETFs normalerweise zu einem geringeren Preis umgesetzt werden.

Dieses Thema zeigt auf hervorragende Weise, wie wichtig es ist, die Produkte auch wirklich zu verstehen, in die man sein Geld anlegt.

Kurz: Wer kein Day Trader oder institutioneller Anleger ist, der sollte unbedingt die Finger von den Leveraged lassen. Um für die Zukunft vorzusorgen sollte man auf Aktien oder klassische ETFs setzen.

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