Rohstoff-ETF (oder Exchange Traded Commodity ETC)


Gemeinhin gilt eine Investition in Rohstoffe als relativ risikoreich. Allerdings kann eine Rohstoff-Anlage als Depotbeimischung zur Portfolio diversifikation durchaus sinnvoll sein. Dies liegt vor allem an der historisch negativen Korrelation zu Aktien.

Das Investieren in die Preisentwicklung von Rohstoffen wird normalerweise über sogenannte Terminmärkte abgewickelt. Mittels Terminkontrakte – im Fachjargon auch Futures genannt wird in den jeweiligen Rohstoffindex investiert.

Wer mithilfe von Rohstofffonds in Commodities investieren möchte, dem stehen mehrere Indices zur Verfügung, welche in aller Regel breit gestreut sind. Mithilfe von ETF Rohstoffe in das eigene Portfolio zu integrieren, ist deshalb nicht schwierig.

In diesem Beitrag möchten wir Ihnen einen möglichst umfangreichen Überblick über das Thema Rohstoff ETF geben, der Ihnen sicherlich auch bei der Wahl des korrekten Commodity ETF für Ihr individuelles Investitions bedürfnis wertvolle Dienste leisten wird.

Exchange Traded Commodities - Börsengehandelte Rohstoffe


ETCs (Exchange Traded Commodities) geben Anlegern die Chance auf unkomplizierte Art und Weise in Edelmetalle und Rohstoffe zu investieren.

Die Wertentwicklung eines ETCs wird entweder durch den Kassapreis (Preis für die Sofortlieferung) oder dem Futures-Preis (Preis für die zukünftige Lieferung) eines einzelnen Rohstoffes oder auch eines gesamten Rohstoffkorbes festgelegt.

Gibt es Commodity Exchange Traded Funds auf einzelne Rohstoffe ?


Man kann zwar mit Rohstoff ETFs auf breit gestreute Rohstoff-Indizes setzen, jedoch nicht auf einen einzelnen Rohstoff, es gaibt also z.B. kein ETF auf Kobalt. Dies liegt daran, dass ein Index stets diversifiziert sein muss. Hierfür sorgt die UCITS-Richtlinie (deutsch: OGAW-Richtlinie). Demnach müssen ETFs ein Diversifizierung-Minimum garantieren und dürfen auch keine physischen Rohstoffe halten. Dies hat z.B. zur Folge, dass es aus rechtlichen Gründen in der EU unmöglich ist, einen reinen Gold-ETF anzubieten. Allerdings kann ein ETF durchaus nur Commodities einer bestimmten Art beinhalten, so sind in einem sogenannten Soft Commodities ETF nur Rohstoffe aus dem Agrarsektor enthalten.

Ein typischer Rohstoff ETF ist beispielsweise der iShares Diversified Commodity Swap UCITS ETF (DE)(WKN: A0H072), der den Vergleichsindex Bloomberg Commodity (Total Return Index) nachbildet.Er ebgagiert sich über einen Total Return Swap in Unternehmen aus den Sektoren Energie, Edelmetalle, Industriemetalle, Lebendvieh und Landwirtschaft.

Worin liegt der Unterschied zwischen einem ETF und einem ETC ?


Will ein Anleger also unbedingt in einen einzelnen Rohstoff investieren, kann er dies aus den genannten Gründen nicht mit einem ETF tun, sondern muss stattdessen einen ETC (Exchange Traded Commodities) kaufen. Denn ETCs können sich, wie bereits angesprochen sowohl am Kassapreis (das ist der „sofort“ Preis, der jetzt bei sofortigem Kauf gezahlt wird) als auch dem Futures-Preis (das ist der zukünftige Preis) orientieren.

ETCs findet man auf Edelmetalle, Industriemetalle, Öl, Erdgas, Agrarrohstoffe, Lebendvieh, seltene Erden, Bitcoin und eigentlich alles was überhaupt nur handelbar ist. Genau wie ETFs werden auch die ETC an der Börse gehandelt. Im Prinzip bieten die ETC die gleichen Vorteile wie die ETFs, allerdings gibt es auch einen wichtigen Unterschied. Das Kapital, das in einen ETC investiert wurde, ist kein Sonderkapital. Dies hat zur Folge, dass bei einer Zahlungsunfähigkeit des Emittenten das Kapital nicht geschützt ist. Vielmehr ist das ETC eine Schuldverschreibung des Anbieters und der Anleger hat somit ein Emittenten Risiko. Selbstverständlich gibt es verschiedenen Methoden, sich gegen dieses Emittenten-Risiko zu sichern, bzw. diese zumindest zu reduzieren.

Im Wesentlichen gibt es drei verschiedenen Varianten, die von den Fachleuten unterschieden werden:

  •   physisch hinterlegte ETCs
  •   vollständig besicherte ETCs
  •   ETCs mit Drittdeckung

Wir werden im Folgenden auf die drei Varianten im Einzelnen eingehen.

Physisch hinterlegte ETCs


Edelmetall-ETCs für Gold, Silber, Platinoder Palladiumbilden üblicherweise den Kassapreis nach und sind physisch besichert. Dies bedeutet mit anderen Worten, dass z.B. Goldbarren physische im Tresor eines Treuhänders aufbewahrt werden. Durch diese Vorgehensweise ist das Emittenten Risiko im Falle der physischen ETC komplett ausgeschaltet.

Vollständig besicherte ETCs (Swap basiert)


Für die sogenannten vollständig besicherten ETCs werden ebenfalls Sicherheiten hinterlegt und normalerweise täglich überprüft. Es sind hier jedoch nicht Goldbarren, die physisch hinterlegt werden, sondern vielmehr Kreditsicherheiten, z.B. von einem Versicherer. Auch Bareinlagen oder Wertpapiere mit sehr guter Bonität können als Sicherheiten herhalten.

ETCs mit Drittdeckung besichert (Swap basiert)


Die dritte Variante ist mit einer sogenannten Drittdeckung abgesichert. Allerdings haben sie somit auch das Kreditrisiko des Dritten. Ein anschauliches Beispiel für diese Art der Drittbesicherung sind die Öl-ETCs von ETF Securities. Dieses ETCs sind nämlich durch Royal Dutch Shell besichert.

Rohstoff-ETCs auf Futures


Während Edelmetall ETCs wie bereits erklärt Kassapreise abbilden, beruhenRohstoff-ETCs auf Öl, Erdgas oder Agrarrohstoffe ausschliesslich auf der Wertentwicklung eines Terminkontraktes, welcher im englischen und inder Fachsprache als Future bezeichnet wird.

Diese Futures haben allerdings logischerweise eine begrenzte Laufzeit. Deshalb muss der Emittent dieser Art der ETCs regelmässig verkaufen, bevor die Vertragszeit abläuft. Er kauft dann im Anschluss daran sofort wieder neue Terminkontrakte.

Diese ständige Vorwärtsbewegung wird auch „Rollen“ genannt. Man spricht von Rollverlusten, wenn der neue Terminkontrakt teurer als der Vorangegangene war, und umgekehrt natürlich von Rollgewinnen, wenn der neue Terminkontrakt günstiger als der Vorangegangene war.

Man muss also in diesem Fall nicht nur allein die generelle Kursentwicklung, sondern auch die Entwicklungen der Terminmärkte gut beobachten und analysieren.

Logischerweise können die Rollgewinne und Rollverluste sehr starke und deutliche Auswirkungen auf die Performance des ETCs haben.

Was ist Contango und Backwardation ?


Wenn der Terminpreis über dem Kassapreis liegt, wird dies als „Contango“ bezeichnet. Zur Erinnerung, der Kassapreis ist der Preis für die sofortige Lieferung, welcher entsprechend auch Spotpreis genannt wird. Der Terminpreis bezieht sich auf den preis der Lieferung in der Zukunft. Der Contango führt somit zu Rollverlusten.

Die umgekehrte Situation wird von Fachleuten als „Backwardation“ bezeichnet. Hier ist der Terminpreis niedriger als der aktuelle Kassapreis. Deshalb können für Rohstoffe mit Backwardation Rollgewinne gemacht werden.

Unterschied zwischen ETCs und ETNs


ETCs bilden die Wertentwicklung des Rohstoffmarktes mit Hilfe der physischen Replikation oder mit Terminkontrakten ab, denn für einige Rohstoffe eine physische Abbildung nicht praktikabel. So können beispielsweise Agrarprodukte aus Platzgründen sowie aufgrund der Verderblichkeit nicht über eine lange Zeit gelagert werden (im Gegensatz zu Goldbarren). Wenn eine Aufbewahrung möglich ist, sollten die Kostend er Aufbewahrung gegen die diese Kosten für den Roll-Over des Terminkontraktes abgewogen werden.ETCs sind komplett durch Einlagen abgesichert, wodurch das Kontrahenten Risikoausgeglichen werden kann.

ETN (exchange Traded Notes ETN)sind börsengehandelte Wertpapiere in Form einer Schuldverschreibung einer Bank. Auch diese werden an der Börse gehandelt. Die zeichnende Bank zahlt bei Fälligkeit den Ertrag des Index aus, wobei sie selbstverständlich eine Gebühr einbehält, welche sozusagen ihren Gewinn darstellt. Wer in dieses Produkt investiert, geht somit ein Kreditrisiko der Bank ein.

Auch bei ETN gibt es zwei Modelle, genauer gesagt besicherte und unbesicherte ETNs. ETNs sind im Besitz von Zweckgesellschaften – englisch: special purpose entities. Diesen gehört die Commodity und der Anleger bekommt einen Anteil des Unternehmens, welche die Commodity besitzt.

Besicherte ETNs sind entweder zum Teil oder aber auch komplett gegen das Kontrahenten-Risiko gesichert. Demgegenüber sind unbesicherte ETNs dem Kontrahenten Risiko ungeschützt ausgeliefert.

Man sollte daher vor der Geldanlage wirklich sicher sein, das Risikopotential verstanden zu haben.

Ein Beispiel für ein ETN istCoba ETN -2x VIXF Daily Short Index (WKN: ETN072), während ein gutes Beispiel für ETC der Coba ETC -4x Natural Gas Daily Short Index (WKN: ETC042) ist.

Commodity = Futures ?


Commodities sind landwirtschaftliche Erzeugnisse oder Rohstoffe, aber heutzutage wird der Begriff im Prinzip mit Termingeschäfte gleichgesetzt und synonym verwendet. Commodity-Kategorien sind normalerweise:

  •   Metalle (wie Gold, Silber, Kupfer, Platin, Palladium, Eisenerz, Aluminium und andere)
  •   Softs (landwirtschaftliche Produkte oder Nutztiere wie Mais, Weizen, Kaffee, Zucker, Reis, Sojabohnen, Sojamehl, Rinder, Milch, Butter, Kartoffeln, Schweine und andere)
  •   Energie (wie Erdgas, Rohöl, Strom, Heizöl, Kraftstoff)
  •   Zinssatz-Kontrakte (alle Arten von Bonds wie T-Bill, EuroBonds, Gilts, ...)
  •   Forex(Währungen wie Euro oder USD gegen einen Währungskorb)
  •   Indexe (wie FDax, DowJones, S&P500 und andere)
  •   spezielle Kategorien wie Volatilitäts-Termingeschäfte oder sogar Emissions- oder Wetter-Termingeschäfte.

Dass beide Begriffe synonym verwendet werden, liegt daran, dass Commodity ETFs ausschliesslich Futures zur Abbildung der Wertentwicklung nutzen und nicht etwa den Kassapreis, wie dies bei Edelmetall ETC der Fall ist. Ansonsten beruhen auch die Rohstoff ETCs in aller Regel auf Terminkontrakten.

Bloomberg Commodity Index


Es gibt natürlich viele Rohstoff Indices, aber wir wollen uns hier als Beispiel den Bloomberg Commodity Index (früher: Dow Jones UBS Commodity Index) ansehen. Dieser basiert auf der wirtschaftlichen Bedeutung der einzelnen Rohstoffe. So werden zur Index-Gewichtung die Diversifikation, die Kontinuität und die Marktliquidität herangezogen.

Heutzutage bietet der Bloomberg Commodity Index Zugriff auf 20 Rohstoffen aus den Bereichen Energie, Edelmetalle, Industriemetalle, Lebendvieh und Landwirtschaft.

Der Bloomberg Commodity im Überblick


  •   BreitesSpektrum an 20 Rohstoffen
  •   Die Rohstoffauswahl erfolgt nach ökonomischer Relevanz (Produktion), Diversifikation, Kontinuität und Marktliquidität
  •   Indexanpassung und Neugewichtung werden jährlich durchgeführt
  •   Monatliche Rollperiode der Terminkontrakte
  •   Ein einzelner Rohstoff hat ein maximales Gewicht von 15%
  •   Ein Rohstoff-Sektors hat ein maximales Gewicht von 33%

Der Index wurde erstmals am 14. Juli 1998 aufgelegt. Ein Beispiel für ein ETF, welches den Bloomberg Commodity Index abbildet ist der ETFS All Commodities (WKN: A0KRKC).Der Dow Jones-UBS Commodity Index ist ein breit diversifizierter Index, der die Preisbewegung verschiedener Rohstoff-Futures widerspiegelt. Diese Rohstoffe sind: Zink, Rohöl (WTI), Weizen, Zucker, Sojabohnen, Sojaöl, Silber, Nickel, Erdgas, Lebende Rinder, magere Schweine, Heizöl, Gold, Baumwolle, Mais, Kupfer, Kaffee und Aluminium.

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