Inverse ETFs

Börsengehandelter Indexfonds (ETF – Exchange Traded Fonds) sind mittlerweile eine beliebte Anlageoption für Privatanleger. Neben den „normalen“ ETF gibt es auch zahlreiche Varianten, wie z.B. Leveraged ETF, Inverse ETF, Rohstoff ETF und Sektoren ETF.

Was sind Inverse ETFs?

Im Prinzip wurden Inverse ETFs als Absicherungsinstrument für Aktiendepots konzipiert. Diese Art von ETF spiegelt die inverse Wertentwicklung eines Index wider. Inverse ETF werden auch Short ETF genannt, da sie nicht für eine längerfristige Anlage gedacht sind.

Short ETF sind eng verwandt mit den Leveraged ETF und treten auch in Kombination als Inverse Leveraged ETF auf.

Short ETFs sind hoch spekulative Instrumente, die für kurzfristiges Handeln auf Tagesbasis konzipiert wurden. Sie sind deshalb als echtes Absicherungsinstrument für Privatanleger nicht geeignet.

In diesem Beitrag zeigen wir Ihnen die Gründe hierfür auf.

Seit wann gibt es Inverse ETFs?

Inverse ETF gibt es seit 2005 und sie haben erwartungsgemäss seit ihrer Einführung im Jahr 2005 das Interesse der Anleger geweckt. Denn rein theoretisch sollte man mit Short-ETFs erstmalig durch Einsatz eines UCITS-Fonds in der Lage sein, Wertpapierpositionen abzusichern.

Vorher verwendete man Futures, börsengehandelten Optionen oder von Banken ausgegebenen Put-Optionsscheinen und Short-Zertifikaten mit entsprechendem Emittenten Risiko.

Ein Anleger mit einer gewissen Risikobereitschaft kann durch Leveraged Short-ETFs an sinkenden Kursen gewinnbringend teilnehmen.

So funktionieren Short ETF

Da die Inversen ETF so grosse Risiken bergen, ist es wirklich wichtig, dass der Anleger ihre Funktionsweise richtig versteht, bevor er sich eventuell für diese Anlageform entscheidet.

Die Abbildung von Short. Und Leveraged-Indizes ist erst durch die Entwicklung von Swap-basierten ETFs möglich geworden, da eine physische Abbildung nach den Richtlinien für UCITS-ETFs nicht möglich ist.

Da es sich um ein Open-End-Produkt handelt, was bedeutet, dass keine Laufzeitbegrenzungen existieren - kann der Anleger jederzeit ein- und aussteigen. Deshalb ist der dem ETF zugrundeliegende Short-Index so aufgebaut, dass sich dessen Rendite auf einen kurzen Zeitraum bezieht. Im Normalfall wird die Berechnung täglich vorgenommen.

Dies hat zur Folge, dass Anleger, die am Ende einer längeren Zeitspanne mit volatilen Auf- und Abwärtsbewegungen eines Index und einem um 10% niedrigeren Indexstand am Ende dieses Zeitraumes eine 10% Rendite des Short-ETF erwarten, bitter enttäuscht werden. Allerdings muss deutlich gesagt werden, dass dies nicht an der mangelnden Qualität der gehandelten ETF liegt, sondern vielmehr seine Ursache in einem mathematischen Sachverhalt hat.

Die Wertentwicklung des Short ETFs lässt sich nämlich in Realität nicht einfach mit minus eins aus der Index-Entwicklung ableiten. Dies liegt an der sogenannten Pfadabhängigkeit. Dieses Phänomen kann am besten mithilfe eines konkreten Beispiels erklärt werden:

Pfadabhängigkeit: Was ist damit gemeint?

Vergleichen wir zur Anschaulichkeit die Entwicklung eines Long Index mit der eines Short Index – und zwar mit täglicher Anpassung.

Tag 1: Der Long Index steigt um 10% von 100 auf 110. Der dazu passendende Short Index fällt zur gleichen Zeit um 10% von 100 auf 90.

Tag 2: Der Long Index steigt erneut um 10% von 100 (ursprünglich 100) auf 121. Der Short Index fällt wiederum um 10%, also von 90 auf 81.

Sieht man sich nun die Gesamtperformance nach einem Investment von zwei Tagen an, erkennt man, was Pfadabhängigkeit bedeutet.

Der Long Index hat insgesamt 21% zugelegt, während man mit der Anlage in den Short Index 19% verloren hat. Je länger man diesen Analysezweitraum wählt, umso stärkere Abweichungen kann man beobachten.

Das echte Ergebnis unterscheidet sich somit von dem gemeinhin erwarteten ziemlich deutlich.

Hierbei fällt auf, dass die Indexmechanik schon ab dem 2. Tag einen höheren Renditeverlust beim Short-ETF zur Folge hat.

Selbst wenn der simulierte Indexstand des obenstehenden Beispiels am 6. Handelstag wieder auf dem Ausgangsniveau ankommen würde (also +-0), würde der entsprechende Short-ETF einen ziemlich deutlichen Verlust ausweisen.

Noch negativer würde der Vergleich ausfallen, wenn man sich für einen 2x Leveraged Short-ETF entschieden hätte.

Dieser unerwünschte Effekt kann nur vermieden werden, wenn man die Absicherungsposition täglich auf den neuen Wert der abzusichernden Position abstimmt. Dies ist für einen normalen Privatanleger allerdings absolut unwirtschaftlich.

Beispiele von Inversen ETFs

Dow Jones Short ETF, wie Ultra Short Dow 3x ETF

Dow Jones Short ETF, wie Ultra Short Dow 3x ETF

ProShares UltraPro Short Dow30 (CUSIP 74348A178) sucht tägliche Anlageergebnisse vor Gebühren und Aufwendungen, die dem Dreifachen der inversen (-3x) der täglichen Performance des Dow Jones Industrial AverageSM entsprechen.

Dieser kurze ProShares ETF strebt eine Rendite an, die -3x der Rendite eines Index oder einer anderen Benchmark (Ziel) für einen einzelnen Tag entspricht, gemessen von einer NIW-Berechnung zur nächsten.

Aufgrund der Verzinsung der täglichen Renditen werden sich die Renditen von ProShares über Zeiträume, die sich von einem Tag unterscheiden, wahrscheinlich in Höhe und möglicherweise Richtung von der Zielrendite für denselben Zeitraum unterscheiden.

Diese Effekte können bei Fonds mit größeren oder inversen Multiples und bei Fonds mit volatilen Benchmarks ausgeprägter sein. Anleger sollten ihre Bestände so oft wie täglich im Einklang mit ihren Strategien beobachten.

SPY Inverse ETF / Ultra Short SPY / S&P Bear ETF

SPY ist der am besten anerkannte und älteste ETF und führt die Rangliste der größten AUM und des größten Handelsvolumens an. Der Fonds verfolgt den massiv populären US-Index S & P 500.

ProShares UltraShort S & P 500 (CUSIP 74347B383) sucht tägliche Anlageergebnisse vor Gebühren und Aufwendungen, die dem doppelten (-2x) der täglichen Performance des S & P 500 entsprechen.

DAX Short ETF

Der ETFS 3x Daily Short DAX 30 (ISIN DE000A1YKTK4) wurde entwickelt, um Anlegern zu ermöglichen, ein dreimal tägliches gehebeltes Short-Engagement in DAX zu erreichen.

Ein dreimal tägliches gehebeltes Short-Exposure bedeutet, dass das Produkt das Dreifache der täglichen prozentualen Veränderung des DAX 30 widerspiegeln soll.

Wenn beispielsweise der DAX 30 an einem bestimmten Tag um 5% steigen würde, würde das Produkt dies tun Wertminderung um 15% an diesem Tag (vor Gebühren, Aufwendungen und Anpassungen).

Wie kann das Wertpapierportfolio mit Short-ETFs abgesichert werden?

Wenn man die Funktionsweise der Inversen ETF (auch Short ETF) verstanden hat, dann kann mit dem kurzfristigen Einsatz tatsächlich eine Absicherung gegen Kursverluste erzielt werden.

So sind zum Beispiel im Sommer 2013 die Kurse für Schwellenländeraktien gefallen. Am 30. August 2013 ist das Handelsblatt in einem Artikel auf dieses Thema eingegangen, und stellte fest: „Es gibt auch eine preiswerte und hebelfreie Möglichkeit, mittels ETF auf fallende Notierungen an den Schwellenländer-Börsen zu setzen: Der db X-trackers MSCI Emerging Market Short Daily UCITS ETF (WKN: DBX0G4) bildet die umgekehrt tägliche Wertentwicklung des Index ab. In den vergangenen sechs Monaten erwirtschaftete der ETF eine Performance von rund zehn Prozent. Die Gesamtkostenquote liegt bei 0,95 Prozent jährlich.“

Short-ETFs sind vor allem dann eine sinnvolle Alternative zum Verkauf eines aktiven Fonds oder Direktbeständen in Aktien, wenn die Bestände vor dem 1. Januar 2009 (vor Einführung der Abgeltungsteuer) angeschafft wurden. Denn so kann man die Steuerfreiheit von Kursgewinnen konservieren, in dem man statt den Bestand zu verkaufen, eine Absicherung mit Short-ETFs vorzieht.

Selbstverständlich benötigt man bei dieser Strategie ungebundenes Kapital. Allerdings lässt sich der Kapitaleinsatz durch die Verwendung beispielsweise eines 2-fach gehebelten Short-ETF reduzieren. Es muss jedoch deutlich darauf hingewiesen werden, dass sich das Risiko eines Verlustes durch die Pfadabhängigkeit erhöht, wenn der Markt nicht in kurzer Zeit und ohne starke Schwankungen fällt.

Eine weitere Möglichkeit der Absicherung ist neben Optionen und Futures auch der sogenannte Blankoverkauf.

Was hat es mit dem Blankoverkauf auf sich?

Unter Blankoverkauf versteht man den Verkauf von Wertpapieren, Devisen oder Waren, die der Verkäufer bislang noch gar nicht besitzt. Er spekuliert dahingehend, dass er die Anlagen zum Lieferzeitpunkt günstiger einkaufen kann, als er sie per Blankoverkauf schon verkauft hat.

Dieser Vorgang wird im Aktienhandel auch als Leerverkauf oder Short Sell bezeichnet.

Der Verkäufer macht durch die Differenz zwischen Verkaufs- und späterem (niedrigerem) Einkaufspreis Gewinn – selbstverständlich nur dann, wenn diese Spekulation am Ende auch tatsächlich aufgeht.

Das wichtigste zu Short-ETFs in Kürze:

  • Sie ermöglichen die Absicherung von Aktien, Anleihen und Rohstoffen

  • Sie dienen als Alternative zum Verkauf von Long-Positionen, da die steuerfreien Kursgewinne erhalten bleiben, wenn diese vor dem 1.1.2009 aufgebaut wurden

  • das Emittenten Risiko wird vermieden

  • Sie sollten als Absicherungsstrategie nur für kurze Zeiträume benutzt werden

  • Der Kapitaleinsatz kann durch mehrfachen Leverage reduziert werden

Sind Inverse ETFs als Depotabsicherung geeignet?

Aufgrund der Pfadabhängigkeit sind Short ETF nicht als Depotabsicherung für Privatanleger geeignet, sondern sind nur von professionellen und institutionellen Anlegern erfolgsversprechend zu benutzen.

Ebenso wie Leveraged ETF sind Short ETF teuer zu halten, allerdings kann man an einem Fallen des Marktes partizipieren.

Optionen und Futures sind billig, Inverse ETFs sind jedoch einfacher zu handhaben.

Sie sollten stets nur als Short Term Strategie und mit Vorsicht eingesetzt werden.

Für den normalen Privatanleger, der sein Portfolio absichern möchte ist und bleibt die Risikoreduzierung der einzig reelle Weg.

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