Optionen um Risiko bei einer Geldanlage zu versichern

Risks in investment

Natürlich machen sich viele Investoren Sorgen um die möglichen Risiken, die einer Aktienanlage behaftet sein können. In dem vorliegenden Artikel wollen wir das Thema etwas näher beleuchten und auf die einzelnen Möglichkeiten der Geldanlage Strategien zur Absicherung gegen Risiken eingehen.

Aktienmarktentwicklung bei langfristigen Investitionen

Unsere Grundthese ist zunächst einmal, dass der Aktienmarkt in der Tendenz immer steigt, es jedoch zu temporären Einbrüchen, Crashs und Abwärtstrends kommen kann, die nicht genau vorhergesagt werden können.

Wie haben sich also die Aktienindizes im Laufe der Zeit entwickelt? Über die letzten 100 Jahren kann man im Prinzip einen Trend nach oben beobachten. Natürlich gibt es auch Kurseinbrüche, zum Teil sogar schwere. Dies ändert jedoch nichts an der zu beobachtenden Gesamt Tendenz nach oben, wie die folgende Grafik eindeutig veranschaulicht:

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    Einige der einschneidenden Ereignisse, die zu deutlichen Abstürzen der Aktienkurse an der Börse geführt haben, waren:

  • Der Schwarze Donnerstag am 24. 10. 1929 – Anfang der Weltwirtschaftskrise.
  • Am 19. 10. 1987 stürzte der Dow Jones am sogenannten Schwarzen Montag um mehr als 20 Prozent ab.
  • Im Januar 1990 stürzte der japanische Leitindex Nikkei um fast die Hälfte ab.
  • Die Russlandkrise im Jahr 1998 riss die Aktienmärkte Russlands und Osteuropas in die Tiefe.
  • Im Jahre 2000 platzte die sogenannte Dotcom-Blase, da viele Internet-Aktien unglaublich überzeichnet waren.
  • Im Rahmen der weltweiten Finanzkrise 2007 verloren die Aktien überall stark an Wert.

Als Faustregel kann gelten, dass Aktienkurse in der Regel eine Langzeitinvestition sind, da ihr Verhalten schwer voraussagbar ist.

Ein gutes Beispiel ist der DAX, der in den letzten 50 Jahren sehr stark gestiegen ist und geduldigen Anlegern grosse Gewinne beschert hat.

Der Aktienmarkt hat ein natürliches, ihm innewohnendes Risiko, aber dieses kann reduziert werden.

Schützen Aktien vor Inflation?

Die meisten Menschen, vor allem diejenigen der unmittelbaren Nachkriegsgeneration, haben einen Heiden Respekt vor der Inflation. Dies ist einer der Hauptgründe, warum Anleger nach besseren Optionen für ihre Ersparnisse suchen, als diese auf der Bank rumliegen zu haben.

Wie sieht es also mit Aktien als Schutz vor den Gefahren der Inflation aus? Aktien schützen vor Inflation, das sagt zumindest Thomas Müller in einem Interview von boerse.de:

„Aktien (haben) einen eingebauten Inflationsschutz, denn Unternehmen reagieren auf Inflation durch Preiserhöhungen. Das führt sogar zu steigenden Gewinnen, sofern Firmen über eine Preissetzungsmacht verfügen. Verschiedene Studien belegen, dass Inflationsraten um die fünf Prozent zu überdurchschnittlichen Aktienrenditen führen.“

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Arten der Risiken

Mit was für Risiken müssen Anleger also rechnen ?

Unterschieden wird zwischen 1. systematischen und 2. unsystematischen Risiken.

1. Hierbei beschreibt das systematische Risiko – auch Marktrisiko genannt – Faktoren, die alle Wertpapiere betreffen, nicht nur ein spezielles. Es kann sich dabei um politische Faktoren (Steuerpolitik, Umweltpolitik, etc.), Inflation (höher als die angesprochenen 5%), Zinsänderungen, Naturkatastrophen oder ähnliches handeln. Weder Anleger noch Unternehmen haben direkten Einfluss auf diese Art von Risiko. Die Grösse, die den Grad der Abhängigkeit einer Anlage vom systematischen Risiko beschreibt, nennt man Beta-Faktor. Je höher der Beta-Faktor ist, umso stärker reagiert eine Aktie auf die Marktschwankungen.

Wichtig ist, dass man das Marktrisiko NICHT durch Diversifizierung verringern kann. Ganz im Gegenteil: Je weiter man streut (diversifiziert) um so genauer wird der Aktienbestand die Entwicklung des Aktienmarktes nachahmen.

2. Das unsystematische Risiko – auch unternehmensspezifische Risiko genannt - bezeichnet das Risiko einer negativen Kursentwicklung bei einer Aktie aufGrund von Faktoren, die direkt mit der betreffenden Aktiengesellschaft in Verbindung stehen.

Somit ist die jeweilige Kursentwicklung einer Aktie unternehmensspezifisch, d.h. sie kann auf die betriebswirtschaftliche Situation der Gesellschaft, z.B. aufgrund von falschen Managemententscheidungen, zurückzuführen sein.

In diesem Sinne kann ein bestimmter Aktienkurs ein völlig anderes Verhalten aufweisen, als der Aktienmarkt als Ganzes. Daher kann in diesem Fall durch entsprechende Diversifizierung des Portfolios das Risiko erheblich eingeschränkt werden.

Verschiedene Formen der Risikoreduzierung

Wenn man nun also das unsystematische Risiko reduzieren möchte, stehen den Anlegern im Prinzip drei Option zur Verfügung.

a) Portfolio Diversifikation nach Markowitz

b) Risikoanpassung

c) Hedging mit Put Optionen

Wir möchten im Folgenden auf die 3 Möglichkeiten separat eingehen.

Portfolio Diversifikation nach Markowitz

Markowitz geht davon aus, dass einzelne Aktienanlagen nicht isoliert, sondern stets in Bezug auf ihre Wirkung auf das komplette Anlageportfolio zu bewerten sind. Dabei identifiziert er drei Faktoren, die den jeweiligen Beitrag einer Aktie zum Gesamtergebnis des Portfolios beschreiben:

  • die zu erwartende Rendite der Anlage,
  • die Variation der Renditen jeder Anlage, die er als Standardabweichung bzw. Varianz misst,
  • der Zusammenhang zwischen den Entwicklungen der einzelnen Aktien, die er als Korrelation misst.

Diese Faktoren benutzt Markowitz, um durch die geschickte Kombination mehrerer Aktien – mathematisch berechnet - das Gesamtergebnis zu optimieren: Also entweder mehr Rendite bei gleichem Risiko oder weniger Risiko bei gleicher Rendite.

Eine der Annahmen von Markowitz ist, dass Anleger logischerweise Gewinne schätzen, allerdings gleichzeitig Schwankungen in der Entwicklung der Renditen als zu vermeidendes Risiko empfinden. Gemäss dieser Logik, sieht ein Anleger sein Portfolio dann als ‚optimal’ an, wenn es bei dem akzeptieren Risiko, welches auf sich nehmen kann und will, die Rendite maximiert. Man spricht dann von einem effizienten Portfolio. Demzufolge gibt es also nicht nur ein einziges effizientes Portfolio, sondern ein effizientes Portfolio zu jedem möglichen Risiko.

Um ein effizientes Portfolio aufzubauen, müssen also verschiede Aktien so zusammengestellt werden, dass sie Renditechancen nutzen, aber gleichzeitig eine möglichst konstante Entwicklung der Rendite gewährleisten. Es gilt dabei Wertschwankungen einzelner Aktien auszugleichen. Hierfür muss die Korrelation <1 sein, d.h., ein bestimmtes Ereignis, dass zu einem Kursverfall bei einer Aktie führt, darf nicht die gleiche Reaktion bei einer anderen Aktie hervorrufen. Der Idealfall ist somit, dass sich die Renditen der verschiedenen Anlagen voneinander unabhängig entwickeln (Korrelation: 0), oder eventuell sogar eine negative Korrelation (> - 1) vorweisen.

2). Risikoanpassung nach Muir Moreira

Die US-amerikanischen Wissenschaftler Alan Moreira und Tyler Muir setzten im Gegensatz zu Markowitz auf dynamisches Risikomanagement. Dies bedeutet, dass Risiko Aktien abgebaut werden sollen, wenn das Risiko steigt und aufgestockt werden, wenn das Risiko erneut sinkt, wodurch ein Portfolio als risikoadjustiert gilt. Eine höhere Volatilität (Volatilität ist ähnlich einer Standardabweichung oder Varianz, bei der Punkte oder Daten, die weiter von den anderen Daten entfernt sind eine höhere Standardabweichung/Varianz/Volatilität bedeuten) oder eine grössere Bewegung wird dabei zurecht mit mehr Risiko gleichgesetzt, aber eine höhere Bewegung bedeutet sowohl mehr Verlust als auch zumeist mehr Gewinn (wegen "Profit Distribution Skewness" oder Schieflage der Distribution der Gewinne).

Ein weiterer Punkt ist, dass man natürlich verlässliche Indikatoren haben sollte, die anzeigen, dass der Markt fallen wird. Eine Aussage über die direktionale Marktbewegung, also über das Steigen oder Fallen eines Marktes ist jedoch durch das Risikoadjustierung Modell nicht möglich. Auch im Falle von Börsencrashs, schwarzen Montagen oder schwarzen Freitagen die durch Naturkatastrophen oder Terroranschlägen verursacht werden, die logischerweise eine Vorhersage oder Risikoadjustierung nicht möglich. Der Markt findet sich nach diesen Crash Ereignissen auf einem niedrigen Stand und der Verlust der Investition kann im Nachhinein nicht zurückgedreht werden.

Bei einem abrupten Crash wie dem "schwarzen Montag 1987", bei dem die Börse an einem Montag einfach tiefer aufgemacht hat, nutzt keine Risikoadjustierung, wohingegen Optionen ein guter Hedge sind. Da die Volatilität nach oben schiesst und der Preis der Option enorm steigt, reicht dafür auch eine Out the money Option um massgeblich abzusichern. Da Risiko ein unmittelbarer preisbestandteil innerhalb einer Option ist (der griechische Input "Vola" im Black Scholes Modell) wirkt sich ein Crash positiv auf den Wert der Absicherung aus, so dass bei solchen "Black Swans" oder Schwarzen Schwänen auch eine relativ günstige Versicherung deutlich hilft.

Anleger, die trotz erhöhter Volatilität mit Aktien im Markt bleiben, haben am Ende eine höhere Rendite haben als solche, die gemäss Moreira & Muir aussteigen, oft kurz bevor der Markt wieder steigt.

Das Risiko hat im Endeffekt keine echt negative Auswirkung auf die Gesamtrendite, wenn es sich um eine langfristige Anlagestrategie handelt. Die Absicherung eines Risikos über Optionen lässt eine höhere Gesamtrendite erwarten als eine Risikoadjustierung über Umschichtung.

Wenn jedoch das Modell der Modernen Portfolio Theorie mit Optionen abgesichert wird, ist es dem Modell von Moreira & Muir eindeutig überlegen.

FAQ

Hedge or Hedging ist ähnlich einer Versicherung. Auch im täglichen Leben versichern wir wichtige Werte wie unser Auto oder unser Haus. Wir versichern zum Beispiel unser Haus gegen einen Brand mit einer Versicherungssumme von 100 000 mit einer Selbstbeteiligung von 5 000. So funktioniert auch ein Hedge mit Optionen, die Selbstbeteiligung ist dabei die Entfernung vom Strike Preis zum aktuellen Preis (der OOM Abstand).

Erfahrungen & Bewertungen zu SAMT AG

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